1950 - 1960
ABWECHSLUNGSREICHE GKS KALENDERJAHRE
»Chaos über dem, was einstens Deutschland war«, begann der Werbe und Pressewart des GKS, WALTER KRETZSCHMAR, sein Resümee über die ersten Nachkriegsjahre in Stuttgart. Das graphische Gewerbe wurde ähnlich gebeutelt wie andere Industriezweige auch. Demontage von Anlagen und Zerschlagung ganzer Fertigungszweige. Vereine und Vereinigungen waren aufgelöst und willkürliche militärische Grenzen galten damals als Vorboten der -neuen Zeit« Und doch kam für einige Unentwegte, die den Graphischen Klub als Bildungseinrichtung und selbst als kulturelle Anlaufstelle in der Landeshauptstadt noch kannten oder mitgestalteten am 19.Mai 1949 die Zeit, den neuen Graphischen Klub aus der Taufe zu heben. Dem Vorstandsgremium gehörten an:
KARL SCHWEND(1.Vorsitzender), HANNS MAYER(2.Vorsitzender), EMIL MUNDINGER (Bildungsleiter), HANS WENG (Schriftwart), HEINRICH ALBUS (Kassenwart), ALFRED WITTMANN (Bibliothekar), WALTER KRETZSCHMAR (Werbe- und Pressewart). Fachlicher Beirat: ANDREAS BENKARD, WILLI ELBERTH, EUGEN HIRRLINGER, EUGEN JENNEWEIN, FRIEDRICH KEGREISS, KARL KEIDEL, HERMANN KRAUSS, ALBERT RAHMER, PAUL RIEGER, WILHELM THÜMMLER, ALBERT OWIRTH.
In diesem Rhythmus an Aktivitäten ging es in den folgenden Jahren in Stuttgart zügig weiter. Vor allem leiteten die GKS-Programmmacher im Jahr 1950vom 24.bis 26.Februar in der HÖHEREN FACHSCHULE FÜR DAS GRAPHISCHE GEWERBE mit der Kalenderschau eine Ausstellungsreihe ein, die an Popularität bis heute von anderen »graphischen Schaufenstern« -sieht man einmal von den Stuttgarter Buchwochen ab - kaum zu überbieten war. Die damaligen Initiatoren fanden auch immer wieder Wege und Referenten, die um das Datum herum und seine bildnerische Zuordnung unter Mithilfe von Studienrat Emil Mundinger ein ganzes Kollegium aufbauten: Kalender aus der Sicht des Druckers - Kalender als verlegerische und buchhändlerische Aufgabe - Kalender aus dem Blickwinkel des Typographen und des Künstlers - Kalender als Werbemittel. Ein Jahr später bot sich die Höhere Fachschule in der Seidenstraße noch einmal als Kalendertreff an. Themen des Vorjahres erlebten eine gewisse Neuauflage .Einmal mehr stand das Kalenderschaffen im Mittelpunkt und regte zu lebhaften Diskussionen an. Die erhöhte Zahl der ausgestellten Kalender, nicht zuletzt durch ein breiteres Spektrum an gestalterischen und drucktechnischen Varianten, warf Fragen nach einem neuen Standort der wichtigsten Jahresausstellung auf. Nach der bisherigen guten Zusammenarbeit mit dem Landesgewerbemuseum war die Antwort schon ab 1953 mit diesem -offenen Haus vorprogrammiert.
Dass im Drupa-Jahr 1951-die erste nach dem Zweiten Weltkrieg - nahezu 100 Mitglieder an der Fahrt des Graphischen Klubs Ende Mai zur Messe nach Düsseldorf fuhren, unterstreicht den Unternehmensgeist und die Aufbruchstimmung nach Jahren der fachlichen Einengung durch die schwierigen Nachkriegszeiten. Die Stuttgarter wollten keinesfalls den Anschluss an technische Entwicklungen verlieren. Zwar sahen sie sich nach 1945 und den Folgen mit ihrem an Reputation gewinnenden Graphischen Klub nicht unbedingt als den Nabel der Welt, aber doch als die treibende und integrale Kraft im württembergischen Land und darüber hinaus des sich erholenden graphischen Gewerbes. Ende 1951gehörten 447 Mitglieder dem GKS an, die bei den einzelnen Veranstaltungen - je nach Themenschwerpunkt - zu den aufgeschlossensten Zuhörern zählten, aber auch Interessenten außerhalb der graphischen Zunft standen immer wieder auf der Besucherliste. Der 1949 neu etablierte Klub hatte seine Bewährungsprobe bestens bestanden
![]() | ![]() |
![]() | ![]() |
Den eigentlichen Durchbruch der Kalenderschau leitete das Jahr 1952ein.Vom 10. bis 17.Februar veranstaltete der »Graphische Klub Stuttgart e.V. in Verbindung mit dem Landesgewerbeamt Stuttgart« - so der Wortlaut in der offiziellen Einladungskarte ?in den Ausstellungsräumen des Landesgewerbemuseums die Kalenderschau 1952. Neben einer großen Anzahl in- und ausländischer Kalender gab es auch einen Querschnitt an Weihnachts- und Neujahrskarten der letzten 50 Jahre zu sehen. Um die Präsentation der Schau kümmerte sich vor allem der Stuttgarter Graphiker und GKS-Mitglied Herbert Günterberg. Er löste mit seiner Konzeption, die von großer Übersichtlichkeit und Themengliederung geprägt war, ein lebhaftes Echo aus. Die Stuttgarter Presse in ihrer gesamten Bandbreite beteiligte sich an der Vorbesichtigung und gewann dem Kalender, vom Kleinstformat bis zum Künstlerkalender an der Wand, viele gute Seiten ab. Es wurde vor allem gewürdigt, dass mit der GKS-Schau auch Nicht-Fachleuten der Stellenwert des graphischen Gewerbes mit den einzelnen Berufssparten vermittelt wird. Wenn über 10 000 Besucher, wie dies beispielsweise 1955von Mitte bis Ende Januar zutraf , dem Kalender auf diese Weise ihre Referenz erweisen, dann erklärt dies zusätzlich den Bericht in den »Mitteilungen des Graphischen Klubs« mit dem Kommentar , »dass diese Schau, die der GKS in Verbindung mit dem Landesgewerbeamt Baden?Württemberg und der Industrie? und Handelskammer Stuttgart durchführt ,immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt ist.« Aber auch kritische Stimmen kamen zum Ende der ersten GKS-Kalender-Dekade auf. Selbst Herbert Günterberg vertrat die Auffassung, dass »es sich bei der Reproduktion von Kunstwerken um eine kulturelle Aufgabe handle. Die oft zu starke Verkleinerung wird leicht bedenklich für die Qualität. Zu einer festgestellten gewissen Uniformität der Blätter führt im Wesentlichen das Zurückgreifen auf die reinen Farben der Druckskalen.« Von »konservativer Phantasielosigkeit« war in der »GKS?Umschau« (Dezember 1960) zu lesen. »Oft nicht gelöst ist das Verhältnis von Bild und Kalendarium .Trotz zunehmender Empfänglichkeit für das Bild als solches, bleibt nach wie vor das Kalendarium als primäres Moment eines Kalenders bestehen. Es bedürfe deshalb sowohl kompositorisch wie auch wertmäßig besonderer Beachtung.«





