1980 - 1990 EIN JAHRZEHNT
IM KALEIDOSKOP DER KALENDER

Die Zeit im Kalender zwischen den Jahren 1970bis 1980eilt weiter . Schon beim 12. Internationalen Kodak Farbfoto-Kalender-Preis 1981 kam WOLF STRACHE, langjähriger Herausgeber des DEUTSCHEN LICHTBILDS und einer der besten Kenner der Fotodesign-Szene, zu dem Fazit: »Der tägliche Anblick gut gesehener Farbbilder, die uns in Fotozeitschriften, illustrierten und Bilderbüchern begegnen, hat unsere Augen verwöhnt. Selbst brillante Leistungen entlocken uns kaum mehr ein anerkennendes Wort. Die Pyramide anspruchsvoller Fotos hat an ihrer Basis eine überraschende Breite erreicht. - Ihre Spitze ist dafür umso enger und kleiner geworden. Das Gute wurde zur Norm. Nur das Ungewöhnliche ,das Neue, die echte Innovation hat eine Chance bemerkt , um gewertet zu werden « (Kodak Fotografie International ,Nr. 22I1g81).In diesem Sinne, unter dem »Zwang zur Innovation« ,traf die Kodak-Jury ihre Entscheidung am Beginn der Kalender -Dekade von 1981bis 1990 im Rahmen der GKS-Kalenderschau . Keine Frage, der Kalender entpuppt sich als populäres Medium. In ihm stabilisieren wir unser Zeitgefühl und nutzen ihn zugleich als gefälliges Anschauungsobjekt. Die Kombination aus Bild und Datum entspricht den üblichen Kalender-Gepflogenheiten. Jedermann ist quasi als Zielgruppe auszumachen .Das Gang und Gäbe nimmt ein Ende, wo der Kalender zur Tat wird. Rückfragen bei den Vordenkern eines Firmenkalenders - den Agenturen -, sofern sie für die werbliche Gesamtkonzeption gerade stehen, zeigen ein sehr gedämpftes Interesse. Eine Beobachtung und Erfahrung, die HERMANN PFEIFFER in der GRAPHIK (März 1982) zu Papier brachte .Im Kalender-Jahrgang 1982dominierte der großformatige Wandkalender aus Matt ?und Glanzpapier , der das Fotografische reportagenhaft durch die Monate bringt .Es folgen Druck- und Bindetechnik , die in der Produktion wenig Angriffsflächen bieten .Die Typographie gibt höchst selten eine gute Nummer ab. Die Funktion des Datums gerät immer mehr in den Teufelskreis. Die Ästhetiker des gegenwärtigen Kalender-Designs verbannen Tagesziffern, Wochentage und Monatsnamen. Die Jahreszahl fällt oftmals flach. Wir akzeptieren anscheinend die Zeit der entblößten Bilder. Der funktionstüchtige Kalender von einst verwandelt sich zum abgehalfterten Skelett. Mit Ausnahmen, muss Pfeiffer dann doch eingestehen. Es ist aber davor zu warnen, mit dem Gestalterischen weiterhin Schindluder zu treiben. Umweltverschmutzte Kalender-Landschaft hat uns gerade noch gefehlt! Von einem hochdotierten Graphiker, von einem tüchtigen Werbemann ist doch zu erwarten, dass er oder beide im Team ihr gefundenes Thema mit Bild und vollständigem Kalendarium ausstatten. Der Tod der an der Spirale aufgehängten Firmenbilder ohne kalendarischen Bezug wäre kaum aufzuhalten .Denn, so der Kalender-Profi Olaf Leu, »der Kalender als Objekt gleitet sonst zur Massendrucksache ab - fast in die Welt der morgendlichen bunt gedruckten Möbel- und Kaufhausprospekte, die einem in den Kaffee fallen. « 1982klammem wir uns an das, was wir mit Landschaft bezeichnen. Bäumt sich unser Gewissen noch einmal auf, bevor das letzte Stück Reservat unserer Zerstörungswut zum Opfer fällt, um wenigstens einen Teil unverbrämter Natur ins Papier zu holen? Drehen wir den Spieß um : Unsere innovationsfreudige Industrie trägt ihren Teil bei, die Lebensqualitäten erträglich zu halten .Aus diesem Segment der offensiven Gegenwartsbewältigung lassen sich Kalenderthemen herauskristallisieren .Es existieren noch Mittel, um bundesweit in PR-Manier sein Firmenimage hochzuhalten .Hier wäre das Kalenderprojekt gleichberechtigt angefragt .Wir reden von Perspektiven , entwickeln Visionen im Jahr 2000 , wagen Prognosen. Im Kalender könnten wir so manches visuell belegen. Ansätze gibt es. Die Druckfarbenfabrik GEBR. SCHMIDT in Frankfurt macht sich »Colorspace« zum Inhalt und nutzt die futuristische Fotografie des PETE TURNER, um Raum und Zeit in Farben außerhalb der Atmosphäre in die Gegenwart zu holen. Was leistet nun die Agenturszene auf dem Gebiet des Kalenderschaffens? Antworten darüber standen seither aus. Also griff der Chronist zum Mittel der Befragung und suchte bei 17bekannten Werbeagenturen (teils mit GWA-Zusatz)nach Antworten, um den Stellenwert des Firmenkalenders innerhalb einer werblichen Gesamtkonzeption zu erörtern. Zehn Agenturen verharrten in Stillschweigen. Sechs sehen im Kalender durchaus ein Mittel zur Kontaktpflege, während die 1. WALTER THOMPSON GMBH schreibt: »Das Medium Kalender wird leider bei unseren Kunden nicht eingesetzt. « Wenn man den Aussagen der Agenturen folgt, dann hat jeder Kalender seine konzeptionelle Geschichte. Sage niemand, in deutschen Landen würde planlos am Objekt Kalender herumlaboriert. Diskussionen finden statt. In derselben Heftigkeit und Ausdauer, wie es die Juroren von der Stuttgarter Kalenderschau her kennen , ob nun bei der GKS?Jury oder bei der Vergabe des »Internationalen Kodak Farbfotokalender - Preises«. Insgesamt dient das dem breiten Spektrum der Kalender-Arbeit .Dabei muss die Forderung nach noch mehr inhaltlicher Findigkeit ganz vorne stehen. Der Essay -ein Jahr später in der Graphik veröffentlicht, wo es um »kalligraphische, kulinarische und andere Kalender« ging, greift den Wettbewerb der Kalender untereinander auf: Kalender, solche an der Wand, pochen auf ihren Stammplatz. Aussteiger tun sich schwer, was immer die Ursache ist. Der Einstieg in die Betriebsamkeit mit dem Datum verlangt Kontinuität. Es herrscht Wettbewerb. Stark frequentierte Kalenderbenutzer treffen ihre Auswahl. Bei einem Dutzend oder noch mehr spiralumgarnten Jahresweisern, die zum Hängen drängen, kommt es einem Platz an der Sonne gleich, wenn das schönste Firmengesicht des Jahres über dem Schreibtisch mit dem Geschäftspartner Zwiesprache hält. Das Kalendermachen ist in der Tat ein Geschäft. Die Kosten schießen ins Kraut. Wer immer das Geld für Idee, Fotografie, Reproduktion, Druck, Papier, Verarbeitung, Verpackung und Versand beisteuert, die Gentlemen bitten zur Kasse. Gemeint sind Firmen, die für ihre Werbekalender vom Empfänger einen Obolus einfordern, um der Kalender-Kunst möglicherweise den Kunst-Kalender zu entlocken .Dahinter steckt eventuell ein kunstfertiges Gebäude, wobei die Bausteine, um die Bilder dem Datum zuzuordnen, kaum noch Mörtel tragen. Das macht die Architekten, die alljährlich am Tempel der Zeit fingern, flexibler. Siebringen Pläne auf die Baustelle, die zumeist auf 12 Geschossen fußt .Ein Blick in die 8ser Etage besagt, die konstruktive Kunst am Bau nimmt den Kollegen Computer tatkräftig in Pflicht: »CAD wird zum leistungsfähigeren Hilfsmittel, das ganze -Generationen. von Mannesjahren spart« (Kalenderspruch bei ITT) .Etwas gemäßigter textet der Kalendermacher AXEL HEIN:»Mit 4 mal 4 -Bausteinen von Schroerbau -365 schöpferische Tage, 52 schöne Wochen und 12 erfolgreiche Monate. «